RECLAIMING THE CITY, Stadtplanerische Strategien für den Stadtkern Cuenca
Cuenca, die drittgrößte Stadt Ecuadors, wurde 1557 gegründet und liegt auf 2500 m Höhe in den Anden. Ihr koloniales Stadtgefüge mit regelmäßigem Raster und zentralem Platz brachte ihr 1993 den Status als UNESCO-Weltkulturerbe ein. Diese Anerkennung bewahrte zwar die historische Struktur, führte jedoch in den letzten Jahrzehnten zu einer zunehmenden Kommerzialisierung und sozialen Verdrängung. Der Fokus auf den Schutz des materiellen Erbes und die Förderung des Tourismus machten das historische Zentrum zu einem konsumorientierten Raum, in dem viele ursprüngliche Bewohner kaum noch Platz finden.
Hier setzt das Projekt „Reclaiming the City“ an. Es versteht sich als Gegenbewegung zu den Gentrifizierungsprozessen und untersucht die räumlichen Potenziale des Stadtraums, um Strategien für un- oder untergenutzte Flächen wie Brachstellen, Leerstände und Straßenräume zu entwickeln. Ziel ist es, diese Orte durch partizipative Konzepte in aktive, gemeinschaftlich nutzbare Räume zu verwandeln, die soziale Interaktion, kulturelle Identität und lokale Ökonomie stärken.
„Reclaiming the City“ verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz: Der Stadtraum wird nicht als touristisches Produkt, sondern als kollektiver Lebensraum verstanden. Im Mittelpunkt steht der Mensch – die Bewohner und alltäglichen Nutzer werden aktiv in die Planung und Weiterentwicklung ihres Lebensumfelds einbezogen. So entsteht ein nachhaltiges, inklusives und lebendiges Stadtgefüge, das das historische Erbe respektiert und zugleich neue Perspektiven auf das urbane Leben eröffnet.
Die entwickelten Strategien wurden beispielhaft auf das Gebiet San Blas angewendet, um zu veranschaulichen, wie sie den Stadtraum transformieren und die Lebensqualität gezielt für Bewohner und Nutzer verbessern könnten.