Transformation statt Expansion, Umbaukultur in der Oberrheinebene
Die Arbeit Transformation statt Expansion untersucht die architektonischen und räumlichen Potenziale des ländlichen Bestands in der Oberrheinebene. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass der Flächenverbrauch weiter zunimmt, während gleichzeitig ortsbildprägende Hofanlagen und Scheunen im Inneren der Dörfer leerfallen. Die Arbeit setzt dem gängigen Expansionsmodell am Ortsrand eine präzise, kulturbewusste Innenentwicklung entgegen.
An zwei realen Fallstudien – einem ehemaligen Meierhof in St. Ilgen und einem ehemaligen Winzer-Ensemble in Ballrechten-Dottingen – wird das Prinzip des Weiterbauens konkret erprobt. Die Projekte zeigen, wie bestehende Strukturen durch minimale Eingriffe, Wiedernutzung und Ergänzungen aktiviert werden können. In St. Ilgen entsteht ein nutzungsgemischtes Ensemble aus Wohnen, Gewerbe und gemeinschaftlichen Räumen. Das große Volumen der Scheune bietet dabei einen robusten räumliche Rahmen, der mit neuen Elementen bespielt wird. In Ballrechten steht die Stärkung der dörflichen Daseinsvorsorge im Mittelpunkt: eine Kita in der bestehenden Scheune, ergänzt durch ein Seniorenwohnheim und gemeinschaftliche Höfe, bilden ein sozial verzahntes Zentrum innerhalb des Ortskerns.
Beide Projekte arbeiten mit typischen Elementen der Region – Satteldächern, hofbildenden Volumen, Sockelgeschossen mit gemeinschaftlicher Nutzung und Holztragwerken – und entwickeln sie zeitgemäß weiter. Die Eingriffe bleiben ablesbar, respektieren die historische Logik der Ensembles und erzeugen dennoch neue Nutzungsschichten. Die Arbeit zeigt, wie Innenentwicklung nicht nur Flächen spart, sondern Identität stärkt, soziale Räume schafft und den ländlichen Raum zukunftsfähig macht. Transformation wird so zum aktiven kulturellen Prozess, der das Vorhandene ernst nimmt und weiterführt.