Borderline(s) Investigations #03, Framing Life
Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie in einem Gewerbegebiet, hier in Mühlburg, Karlsruhe, Wohnen mit Identität geschaffen werden kann. Der Stadtteil zeichnet sich durch eine eigenständige räumliche und infrastrukturelle Logik aus, die eher betrieblichen Anforderungen und der Effizienz der dort angesiedelten Gewerbe folgt, als den Regeln zu qualitätsvollen Aufenthaltsflächen oder potenziellem Wohnraum.
Auch die Tankstelle in der mitte des Gebiets zielt hauptsächlich auf Optimierung ab. Trotzdem fungiert sie gleichzeitig als einzigartig sozialer Ort. Die Typologie Tankstelle erzeugt persönliche Inteaktionen, eine ungewöhnliche Nähe zur Infrastruktur bei der Nutzung der Tanksäulen und eine Ungezwungene Haltung zu Konsum, während sie geringe soziale Zugangsschwellen aufweist.
Das Projekt zeigt einen experimentellen Hybrid aus Tankstelle und Wohnungsbau. Der Zugang zu den sechs Wohnungen erfolgt über den Kiosk, in den ein Treppenhaus integriert ist. Von dort führt der Weg zunächst auf das Dach der Tankstelle und weiter zu den einzelnen Wohnungseingängen. Jede Wohnung erstreckt sich über drei Geschosse: Auf der unteren Ebene befindet sich der Wohnbereich, darüber das Bad und im obersten Geschoss das Schlafzimmer. Form und Fassadenstellung der Wohnungen leiten sich aus den Zugseilen ab, die an den über das Dach hinausgeführten Stützen befestigt sind und die Dachkonstruktion tragen. Dadurch können zusätzliche Stützen im Erdgeschoss vermieden werden. Jede Wohnung organisiert sich um eine dieser Stützen, die zugleich als zentraler Versorgungsschacht für Wasser, Strom und Lüftung dient. Um die darin geführte Haustechnik zugänglich zu halten, sind die Stützen als räumliche Fachwerke ausgebildet.
Die Fassaden sind vollständig verglast. Sichtschutz und Verschattung werden durch außenliegende Verschattungselemente sowie innenliegende Vorhänge gewährleistet. Die räumliche Organisation folgt einer Abstufung unterschiedlicher Privatheitsgrade. Mit zunehmender Privatheit verjüngen sich die Wohnungen geschossweise. Der gemeinschaftlich genutzte Bereich auf dem Tankstellendach bildet dabei die sozialste Ebene des Wohnens und erweitert sich nach Osten und Westen um kleinere, jeweils zwischen mehreren Wohnungen geteilte Balkone. Diese Abstufung setzt sich bis ins Erdgeschoss fort, das als öffentlich zugänglicher und bewirtschafteter Raum rund um die Uhr die größte Offenheit innerhalb des Projekts aufweist.