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NEO NATURA, Vom Sichtbarwerden einer Neuen Natürlichkeit Lisa-Maria Behringer

Das Verhältnis von Mensch zu Tier und Natur ändert sich rasant. Natur im romantischen Sinne der Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit gibt es nicht mehr.
Es kommt zu einer Neudefinition dessen, was wir Natur nennen – zu einer Neuen Natürlichkeit. Diese Neue Natürlichkeit erfüllt aber ebenso den Drang des Menschen nach „Exotischem“.
Als „exotisch“ gilt dabei per Definition nicht mehr das außer-europäische, sondern das „fremdartig wirkende und dabei einen gewissen Zauber ausstrahlende“ der notwendigen Technik. Die Raumproduktion funktioniert über die Infrastruktur und wird zu technisch kontrollierbaren Einheiten wie °C, Lux oder %-Luftfeuchte.

Exemplarisches Grundstück für den architektonischen Versuchsaufbau ist der Friedrichsplatz in der Innenstadt Karlsruhes, gegenüber dem Naturkunde Museum. Das Naturkunde Museum manifestiert als klassizistischer Bau den traditionellen Blick auf die Natur. In Dioramen und bunten Aquarien werden Lebenswelten möglichst naturnah wiedergegeben. Dieser klassischen Betrachtung der Natur wird ein neuer Blick auf die Neue Natürlichkeit entgegengesetzt.

In einer Struktur aus Gewächshausschotten macht eine innenräumliche Parkanlage die technogenen Räume für Tierhaltung und zur Produktion von Natur erlebbar.
Diese technogenen Räume werden dafür aus dem wissenschaftlichen Umfeld in den öffentlichen Raum gebracht, so dass sie erlebbar und damit diskutierbar werden.
Die Normalisierung eines absurden Zustandes durch Entzug der Öffentlichkeit wird sichtbar gemacht. Sie verliert ihre Unangreifbarkeit, die sie durch ihre Unsichtbarkeit im wissenschaftlichen Umfeld hatte und wird hinterfragt.

Der Entwurf wirft vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Entwicklungen pressierende Fragen auf:
In welcher Form der Co-Habitation leben wir mit Tieren und Pflanzen?
In wieweit kann die Gewächshausstruktur „upgedatet“ werden? Wann wird diese neue Institution obsolet?
Gibt es die „firmitas“ im Sinne Vitruvs noch?
Welche Rolle nimmt die Architekt:in in der neuartigen atmosphärischen Raumproduktion ein, wenn diese über wissenschaftliche Kennwerte bereits vordefiniert ist?

Übersichtsaxonometrie
Frontal-Projektion
Modellbild: Atmosphärische Raumproduktion
Grundriss EG
Technik-Layer des Grundrisses
Modellbild: verschiedene Patterns
Funktionsschnitt: Zunahme des technischen Gradienten
Modellbild: Schaufenster-Situationen
Modellbild: Ästhetik der Repetition und Technik
Kontakt
Lisa-Maria Behringer @lisamabeh
Prüfungskommission

Erstprüfer*in

Prof. Marc FrohnProfessur Raum und Entwerfen

Zweitprüfer*in

Prof. Dr. Oliver JehleProfessur Kunstgeschichte
Einstelldatum
Professuren/Lehrgebiet
Typologie
Land
Deutschland
Stadt
Karlsruhe