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OFF SHORE, Transformation der Plattform Brent Charlie zur Forschungsstation Sophia Seufert

Weltweit gibt es über 6000 Offshore-Plattformen1 zur Öl- und Gasgewinnung. In der Nordsee sind es über 4002. Doch was passiert mit den Anlagen und der Infrastruktur, wenn sich die Vorräte dem Ende zu neigen? Über diese Frage hat man sich beim Bau der Megastrukturen leider noch keine Gedanken gemacht.

Seit Ende der 90er Jahre gibt es für die Nordsee ein Verbot die Anlagen im Meer zurückzulassen mit einer Ausnahmeregelung für besonders schwere Konstruktionen über 10.000 t. Vier Prozent der Nordsee-Installationen haben Schwerkraftfundamenten aus Beton, die in dieser Ausnahmeregelung miteingeschlossen sind.

Der Shell-Antrag die bis zu 300.000 t schweren Fundamente der Brent-Anlagen im Meer zu belassen stößt aktuell vehement auf Widerstand von Seiten zahlreicher Nordsee-Anrainerstaaten und Umweltschützer.

Das Ergebnis der Diskussion ist entscheidend für die Zukunft von hunderten von Plattformen. Die Forderung an die Betreiber die stillgelegten Anlagen und Fundamente restlos rückzubauen ist nachvollziehbar und stellt die Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten vor eine milliardenschwere Aufgabe. In den letzten fünf Jahren wurden bereits erfolgreich einige Topsides, die Plattformdecks oberhalb des Meeresspiegels, zurück an Land gebracht. Dazu gehören drei der insgesamt vier Brent-Plattformen. Das Brent-Feld war einst förderstärkstes Feld der Nordsee6 und Pionier der Nordseeölförderung. Nach 40 Jahren der Förderung wird der Betreiber Shell UK nun unweigerlich zum Pionier des Decommissioning (dt. Stilllegung). Viele Optionen und Möglichkeiten für den Rückbau wurden untersucht. Es wurde allerdings bislang nicht der Versuch unternommen eine Plattform umzunutzen. Die sichtbare Plattform und die unter Wasser liegenden Fundamente können auf diese Weise auch nach dem Ende ihrer vorgesehenen wirtschaftlichen Nutzungsdauer weiter einem Zweck dienen und müssen weder dem Meer überlassen, noch entsorgt werden. Für die gegenüberstehenden Positionen der unterschiedlichen Akteure aus Betreibern und Regierungen mit ihren Interessen in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz könnte der Umbau zu einer Meeres- und Klimaforschungsstation ein denkbarer Kompromiss sein. Der Erhalt und die Transformation der vierten Brent-Plattform Charlie kann so zum Sinnbild für den Wandel der Nordsee werden. Weg von der Industrielandschaft hin zu einer grüneren klimafreundlichen Zukunft. Ein zentraler Anlaufpunkt für Umweltbildung, Wissenschaft, Forschung, Schutz und Erhaltung der Nordsee. Die Entwicklung und entwurfliche Ausarbeitung dieser Idee soll Thema der nachfolgenden Masterarbeit sein.

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Sophia Seufert
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