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Orgelfabrik Durlach Valery Casillas

Historie

1764 gründete Johann Heinrich Stein eine Orgelfabrik in der Amthausstraße in Durlach, eine Straße, die damals viele Handwerkerbetriebe und kleine Geschäfte beherbergte.Vgl. Büchel, Sabine; Steigner/Patricia: Die Durlacher Orgelfabrik, in: Stadtarchiv Karlsruhe (Hrsg.): Industriearchitektur in Karlsruhe, Braun: Karlsruhe 1987, S.25 In der Nähe des Schlosses und angrenzend zum Weiherhof war diese kleine Fabrik damals zentral gelegen.

Nach dem Tod des Gründers führte der angeheiratete Orgelbauer Johann Volkmar Voit das Unternehmen als Orgelfabrik Voit weiter.Vgl. Malisius, Günther: Kulturproduktion statt Orgelbau. 20 Jahre die Orgelfabrik- Kultur in Durlach e.V.: Karlsruhe, 2013, S.15 Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte die Orgelbaufirma ihre Blütezeit und konnte ihre Anlagen vergrößern: Zu den bestehenden Wohn- und Bürogebäuden an den Nummern 17 und 19 und der Orgelhalle kamen neue kleinere Anlagen hinzu.Vgl. Büchel, Sabine; Steigner/Patricia: „Die Durlacher Orgelfabrik“, in: Stadtarchiv Karlsruhe (Hrsg.): Industriearchitektur in Karlsruhe, Braun: Karlsruhe 1987, S. 26 Das Unternehmen behielt seinen kunsthandwerklichen Charakter, es arbeiteten zwischenzeitlich 16 Mitarbeiter*innen in der Werkstatt. Obwohl die Firma in ganz Europa bekannt war, konnte sie sich nach dem Ersten Welt Krieg nicht halten und schloss 1930Vgl. Malisius, Günther: Kulturproduktion statt Orgelbau. 20 Jahre die Orgelfabrik- Kultur in Durlach e.V.: Karlsruhe, 2013, S. 16.

Blick durch das Tor der ehemaligen Orgelfabrik. Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A22 150/2/37, Fotograf: Horst Schlesiger, Karlsruhe

„Der Charme der Fabrikhalle ist bis heute erhalten geblieben.“

Maschinen- und Apparatenbaufirma Herlan

1936 erwarb die Maschinen- und Apparatenbaufirma Herlan die Gebäude als Nebenstandort bis 1971.Vgl. Malisius, Günther: Kulturproduktion statt Orgelbau. 20 Jahre die Orgelfabrik- Kultur in Durlach e.V.: Karlsruhe, 2013, S. 16 Ende der 1970er begannen erste Abrissmaßnahmen, weil keine Firma die Gebäude übernehmen wollte. Die Anlage der Orgelfabrik besaß nur 600 m2 Fabrikationsfläche und durch den Bau von weiteren Wohnhäusern in der Umgebung kam es zu unzureichenden Verkehrsverbindungen, moderne (meist größere) Betriebe konnten sich diesen Umständen nicht anpassen. Zusätzlich befand sich direkt neben dem Grundstück das damalige Gefängnis.Vgl. Büchel, Sabine; Steigner/Patricia: „Die Durlacher Orgelfabrik“, in: Stadtarchiv Karlsruhe (Hrsg.): Industriearchitektur in Karlsruhe, Braun: Karlsruhe 1987, S. 26

Blick auf die Hofeinfahrt in der Amthausstraße Nr. 17 & 19. Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A22 150/2/37, Fotograf: Horst Schlesiger, Karlsruhe
Blick in die Produktionshalle. Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A22 150/2/40, Fotograf: Horst Schlesiger, Karlsruhe

Kulturraum Orgelfabrik

Die verbliebenen Gebäude wurden kurz darauf von Künstler*innen erobert und viele von den heruntergekommenen Räumen notdürftig saniert. Die Orgelhalle war wegen ihrer Akustik und ihrer freien Fläche besonders beliebt. Mit dem Verkauf an die Sparkasse Wohnbau wurde Wohnbebauung auf dem Areal geplant. Durch den Erhalt des Denkmalstatus 1982 gelangte die Orgelhalle in die Aufmerksamkeit der Bevölkerung in Durlach, wodurch die Planungen mit Wohnbebauung zunehmend kritisiert wurden. Vielmehr setzte sich die Öffentlichkeit für den Erhalt der Anlage ein. Lange wurde nach anderem Nutzen für die Gebäude gesucht, doch die beste Lösung blieb die Halle mit solcher Akustik und freien Spielraum für die Kunst zu erhalten. Seitdem finden in der Orgelhalle Konzerte, Theaterprojekte und Ausstellungen statt.Vgl. Malisius, Günther: Kulturproduktion statt Orgelbau. 20 Jahre die Orgelfabrik- Kultur in Durlach e.V., die Orgelfabrik- Kultur in Durlach e.V.: Karlsruhe, 2013, S.21

Ansicht der verlassenen Orgelhalle. Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A46 166/1/3, Fotograf: Horst Schlesiger, Karlsruhe

Im aktuellen städtischen Kontext könnte die Orgelhalle nicht besser platziert sein. Sie befindet sich direkt im Herzen Durlachs, aber in einer ruhigen Lage. Neubauten wie das ScheckIn Center, eine Sporthalle, eine Schwimmhalle und ein Kinderhort umgrenzen den Weiherhof. Die Orgelhalle mit ihrer sakralähnlichen Architektur hebt sich stark von der Umgebung hervor. Ein Durchgang zwischen den Gebäuden der Orgelfabrik bildet eine Verbindung zwischen der Amthausstraße und dem Weiherhof.

Die Orgelfabrik ist eine Oase für aufstrebende Künstler*innen und für Kunstliebhaber. Als Symbol für die künstlerische Zusammenarbeit und Eigenständigkeit, ist sie heute eine der wichtigsten Kulturstätten in Durlach.

Anbringung des Transparents „Theater in der Orgelfabrik“. Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A57 160/1/22, Fotograf: Horst Schlesiger, Karlsruhe
Kontakt
Valery Casillas
Titel der Lehrveranstaltung:
Räume der Arbeit
Lehrformat:
Seminararbeit
Betreut durch
Nina RindAkademische Mitarbeiterin
Einstelldatum
Professuren/Lehrgebiet
Land
Deutschland
Stadt
Karlsruhe