Schutz, Teilhabe, Wohnraum, Frauenhaus und Frauenwohnprojekt im Kontext sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit
Das Projekt verbindet ein temporäres Schutzhaus mit einem dauerhaft nutzbaren Frauenwohnprojekt in einem baulichen Kontext am Karlsruher Kolpingplatz und reagiert damit auf zwei drängende Probleme: den Mangel an Schutzraum für von Gewalt betroffene Frauen und den strukturellen Ausschluss vieler Frauen auf dem Wohnungsmarkt, vor allem solcher, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind. Bundesweit fehlen tausende Schutzplätze und nur Wenige finden nach dem Aufenthalt im Frauenhaus eine Wohnung.
Der Entwurf schafft ein System aus unmittelbarem Schutz, Übergang und eigenständiger Stabilität. Das straßenseitige Vorderhaus mit Gewerbe- und Gemeinschaftsnutzung im Erdgeschoss und dauerhaft bezahlbaren Wohnungen des Frauenwohnprojekts in den fünf Obergeschossen bildet einen filternden Zugang zum Grundstück. Das ruhig gelegene Frauenhaus beherbergt zwölf barrierefreie und flexibel erweiterbare Wohneinheiten. Ein geschützter Innenhof verbindet beide Gebäude, Lichthöfe im Frauenhaus ermöglichen Luft, Licht und vertrauliche Außenräume, die umlaufende Gabionenwand schützt vor Einblicken. Der Zugang zum Frauenhaus erfolgt einzig über eines der Treppenhäuser des Vorderhauses. Das Wohnprojekt bietet dreißig Wohnungen für verschiedene Wohnformen und Übergangsphasen. An den Treppenhäusern liegen gemeinschaftliche Zonen, die künftig zur Erweiterung der Wohnungen nutzbar sind. Das Vorderhaus ist ein Holzrahmenbau mit Lehmsteinausfachungen, das Hinterhaus ein modularer Holzmassivbau in leimfreier Ausführung. Sortenreine Konstruktion, Rückbaubarkeit, Modularität und der Verzicht auf Beton senken die graue Energie und stärken die ökologische Nachhaltigkeit. So entsteht ein Ort, der Schutz bietet und langfristige, förderfähige Wohnperspektiven eröffnet.