BESTAND IST ZUKUNFT, Tabaktrockenschuppen als Ressource der Ortsentwicklung in Herxheim
Bestand ist Zukunft. Tabaktrockenschuppen als Ressource der Ortsentwicklung in Herxheim
Ländliche Räume stehen vor einem grundlegenden Widerspruch: steigender Wohnraumbedarf trifft auf Flächenverbrauch, soziale Entmischung und den Verlust gewachsener Ortsstrukturen. In Herxheim in der Südpfalz wird dieser Konflikt besonders sichtbar. Die Arbeit entwickelt hierzu eine Gegenposition und zeigt, dass Innenentwicklung Außenentwicklung nicht nur ergänzen, sondern ersetzen kann. Ausgangspunkt ist ein Ensemble aus zehn ungenutzten Tabaktrockenschuppen. Diese werden nicht als Relikte verstanden, sondern als räumliche, konstruktive und kulturhistorische Ressource. Nachverdichtung wird dabei als sozialpolitisches Projekt begriffen, das bezahlbaren Wohnraum schafft, soziale Durchmischung ermöglicht und gemeinschaftliche Lebensformen stärkt. Das architektonische Konzept basiert auf der Transformation im Bestand. Durch ein Haus-im-Haus- Prinzip werden vorgefertigte Holzmodule in die bestehende Struktur eingefügt. Ergänzende Neubauten in Holzbauweise verdichten das Ensemble maßstäblich und typologisch angepasst. So entstehen rund 250 Wohneinheiten für etwa 500 Bewohnerinnen und Bewohner – mit einer Kapazität vergleichbar zu einem Neubaugebiet, jedoch bei deutlich geringerem Flächenverbrauch. Ein integraler Bestandteil ist das energetische Konzept. Ein nahegelegenes Schneckenpumpwerk liefert über Wärmetauscher Abwasserwärme für ein kaltes Nahwärmenetz. In Kombination mit Wärmepumpen, Photovoltaik und passiven Strategien entsteht ein ressourcenschonendes Energiesystem. Die bestehende Schuppenhülle fungiert dabei als klimatische Pufferzone und ermöglicht natürliche Kühlung. Das autoarme Quartier stärkt durch gemeinschaftliche Freiräume und aktivierte Erdgeschosszonen das soziale Miteinander. Nutzungen wie Werkstätten, Café und Dorfladen schaffen Orte der Begegnung. Die Arbeit zeigt, wie durch die konsequente Weiterentwicklung des Bestands neue Siedlungsflächen vermieden und zugleich Identität, Baukultur und die Prägung der Südpfalz bewahrt werden können.