LIVING ENVELOPE
Unsere Lebens- und Arbeitsweisen verändern sich, während konventionelle Wohnformen häufig weiterhin auf klar definierten Grundrissen und festen Typologien beruhen. Die LIVING ENVELOPE versteht Wohnen daher als offenen und wandelbaren Prozess, in dem unterschiedliche Grade von Nähe und Distanz, Gemeinschaft und Privatheit sowie Wohnen und Arbeiten miteinander verbunden werden. Ausgangspunkt des Entwurfes war die Analyse des Standortes, die ein Defizit in der Nahversorgung aufzeigte: Drogerieprodukte sind im Quartier nicht verfügbar. Die Untersuchung von Materialität und Transparenz zeigte zudem das Potenzial transparenter Strukturen für Orientierung, Atmosphäre und Identität. Daraus entstand die Idee, Drogerieprodukte lokal herzustellen und die dafür benötigten Pflanzen direkt vor Ort anzubauen. Die LIVING ENVELOPE wird dabei als eine gemeinsame Gebäudehülle begriffen, in die Wohnen und Produktion als eigenständige Volumen eingestellt werden. Der verbleibende Zwischenraum wird als Gewächshaus ausgebildet und verbindet die Nutzungen räumlich und atmosphärisch. Die Hülle verbindet die Funktionen, ohne ihre Eigenständigkeit aufzuheben. Transparenz, Materialität sowie Licht, Schatten und Silhouetten schaffen vielfältige Blickbeziehungen und machen Anbau, Produktion und menschliche Aneignung räumlich nachvollziehbar. Im Wohnbereich organisiert ein durchgehender Nasskern die Grundrisse und erzeugt eine klare Abfolge vom gemeinschaftlichen Erschließungs- und Aufenthaltsbereich über halbprivate Zonen bis zu den privaten Wohnräumen. Dadurch entstehen unterschiedliche Grade von Öffentlichkeit und Privatheit innerhalb des Gebäudes. Die lokale Produktion wird dabei nicht verborgen, sondern als sichtbarer und erlebbarer Bestandteil des Alltags integriert.