Gemeinschaftsküchenhaus – casa de cuina comunitária, eine Großküche als Raum kollektiver Fürsorge
Die Masterarbeit „Gemeinschaftsküchenhaus – casa de cuina comunitária“ versteht sich als Ort des kollektiven Kochens und Essens und als Schnittstelle zwischen Stadt- und Privatküche. Im Mittelpunkt steht eine Großküche, die sowohl von Personal als auch von Bewohnenden gemeinsam genutzt wird und zugleich eine kostengünstige Kantine für die Nachbarschaft bietet. Die sonst oft unsichtbare reproduktive Arbeit – wie Kochen und Versorgen – wird sichtbar gemacht und kollektiv organisiert.
Die Arbeit basiert auf dem historischen Modell des Einküchenhauses von Lily Braun aus dem Jahr 1901 und bildet als Übersetzung in die zeitgenössische feministische Raumpraxis einen Teil eines breiter gefassten Fürsorgenetzwerks, das im Wohnalltag ansetzt und individualisierte Küchenstrukturen aufbricht und eine Basis für eine utopische Wohnrealität bildet – im Sinne einer Veränderung im Alltäglichen, keine eigene Küche in der Wohnung zu besitzen und gemeinsam mit gelernten Köch:innen zu kochen.
Der Entwurf transformiert ein leerstehendes Bürogebäude auf einem ehemaligen Industrieareal, heute als Parkanlage genutzt, in Barcelona. Es entsteht eine vertikal organisierte Großküche, deren Raumprogramm entlang ihrer Abläufe strukturiert ist und durch vertikale Installationsschichten getrennt wird. Ergänzend dazu befinden sich ein Transitraum sowie Studio-Wohnungen ohne eigene Küchen, deren Räume mithilfe von Vorhängen flexibel konfiguriert werden können. Im Erdgeschoss, als Schnittstelle zwischen Privat- und Stadtraum, sind der Speisesaal sowie die Warenannahme untergebracht. Zur Parkseite hin wird der Kochprozess durch die Küchenfassade inszeniert und durch außenliegende Vorhänge flexibel geöffnet. Ein Küchenmodul mit beidseitig nutzbaren Elementen fördert dabei das gemeinsame Kochen.